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Der Abstimmungskampf 1935Die Völkerbundkommission verpflichtete bezüglich der Abstimmung über das weitere Schickal des Saargebiets Deutschland und Frankreich zur Einhaltung einer Reihe von Bestimmungen über den Ablauf der Abstimmung. Darunter war auch eine Zusicherung, keinen Druck auszuüben, der die Freiheit der Stimmabgabe beeinträchtigen könnte. Die Verpflichtung dazu erwies sich als völlig wertlos. Alle Parteien waren sich ursprünglich darin einig, bei der vom Völkerbund vorgesehenen Abstimmung 1935 für eine Wiedervereinigung mit Deutschland einzutreten. Mit dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland zerbrach diese einheitliche Haltung. Das Saargebiet spaltete sich in zwei politische Lager. Versailler Vertrag (1919/1920)
Fürstentum Lichtenberg
Die Geschichte des Landkreises St. Wendel als politische Einheit geht auf den Wiener Kongress und die mit der Niederlage Napoleons verbundenen Gebietsaufteilungen zurück. In der Kongress-Schlussakte vom 9.Juni 1815 erhielt der Herzog von Sachsen-Coburg-Saalfeld ein Gebiet mit 25.000 Einwohnern als Entschädigung für die den Verbündeten geleistete Hilfe zugesprochen. Sachsen-Coburg nahm 1816 das Land in Besitz und gab ihm 1819 den Namen "Fürstentum Lichtenberg" nach der zwischen Baumholder und Kusel gelegenen Burg. Regierungssitz war St. Wendel. Das Gebiet des Amtes Nohfelden und Gebiete um Birkenfeld kamen zum Herzogtum Oldenburg.
Die Burganlage: Die 425 Meter lange Burganlage liegt auf einem langgezogenen Hügel, dem Lichtenberg, 382 Metern über dem Meeresspiegel. Ihren Namen hat sie höchstwahrscheinlich vom Berg erhalten, der hell und länger im Sonnenlicht leuchtete als die Umgebung. Alle erhalten gebliebenen Urkunden bestätigen, daß der Name im Laufe der Zeit sich nicht geändert hat.
Wiener KongressNach der Schlacht bei Leipzig brach der Rheinbund zusammen. Den Fürsten wurde von den Siegern Souveränität und Besitzstand garantiert. Mit Ausnahme von König Jerome und dem Fürsten Dallberg, die ins Ausland geflüchtet waren sowie des Großherzogs von Frankfurt und die Fürsten Isenburg und von der Leyen, da bei ihnen vorzugsweise "undeutsches Verhalten" entdeckt sein sollte. Auch das Schicksal des Königs von Sachsen blieb ungewiß: Sein Land wurde vorläufig als Entschädigungsobjekt angesehen. Metternich ma chte Napoleon ein geheimes Friedensangebot, in dem er Frankreich seine natürlichen Grenzen garantierte: die Pyrenäen, die Alpen und der Rhein. Napoleon lehnte ab. In den Niederlanden kommt es zum Aufstand und der Unabhängigskeitserklärung vom 1.12.1813. A m 30. Mai 1814 kommt es zum Ersten Frieden von Paris. Frankreich werden die Grenzen von 1792 zugestanden, auch Saarlouis und Landau. Es erhielt auch einen Teil der von England eroberten Kolonien zurück und brauchte keine Kriegsentschädigung zu zahlen. Es konnte auch die meisten der geraubten Kunstschätze behalten. Ende September 1814 versammelten sich in Wien die Herrscher der meisten europäischen Staaten. Die Verhandlungen zogen sich über acht Monate hin. Auf dem Kongreß kam zum Ausdruck, daß gegen Napoleon drei verschiedene Gegner zeitweise zusammengewirkt hatten: die englische Oligarchie, die mit der französischen Bourgeoisie um die Weltherrschaft rang und schließlich gesiegt hatte, die feudalabsolutistischen Monarchien des Kontinents, die sich jeder Veränderung widersetzten und die nationale Befreiungsbewegung der Völker. "Von sämtlichen Siegermächten wurde der Sturz Napoleons als der Untergang der Französischen Revolution und als Triumph der Legitimität betrachtet." (Engels) "Es waren nur drei Staaten vertreten, die wußten, was sie wollten: England, das die Absicht hatte, seine Handelsvorherrschaft aufrechtzuerhalten und auszudehnen, den Löwenanteil am Raub der Kolonien davonzutragen und alle übrigen zu schwächen; Frankreich, das nicht allzu schwer in Mitleidenschaft gezogen werden und alle anderen schwächen wollte, und Rußland, das die Absicht hatte seine Macht und sein Territorium zu vermehren und alle anderen zu schwächen." (Engels) England hatte seine Ziele bereits durchs etzen können: Aneignung eines großen Teiles der französischen, holländischen und spanischen Kolonien sowie Maltas und Helgolands. Gegensätze zwischen den Großmächten entzündete sich an der polnischen Frage und dem Schicksal Sachsens. Beide Fragen waren miteinander verknüpft. Zar Alexander I. wollte fast das ganze polnische Gebiet als Königreich durch Personalunion mit Rußland verbunden unter seinen Einfluß bringen, während Preußen als Entschädigung für seine verlorenen Ostgebiete Sachsen beanspruchte. Am 3. Januar schlossen England, Frankreich und Österreich ein geheimes Militärbündnis zur Abwehr der russischen und preußischen Ansprüche. Nun lenkte Preußen ein. Es verzichtete auf Sachsen, annektierte aber seine nördlichen Gebiete und wurde im Rheinland entschädigt. Polen wurde von den Großmächten erneut aufgeteilt. Zweiter Pariser Frieden Nach der Schlacht bei Waterloo kommt es am 20.11.1815 zum 2. Pariser Frieden. Frankreich wird im wesentlichen auf die Grenzen von 1790 zurückgeführt. Es muß u.a. Saarbrücken und Saarlouis an Preußen und Landau an Bayern abtreten. Es hatte eine Kriegsentschädigung von 700 Millionen Francs zu zahlen und verpflichtete sich die geraubten Kunstschätze zurückzugeben. Nordfrankreich blieb bis auf weiteres besetzt (Drei Jahre). Henri de La Tour d'Auvergne Turenne(1611-1675), französischer Marschall und Militärtheoretiker, zeichnete sich im Dreissigjährigen Krieg und gegen die Fronde aus. 1625 trat er in den Niederlanden in die Dienste der Oranier, 1630 wechselte er als Oberst in französische Dienste. Er kämpfte im Dreissigjährigen Krieg zuerst in Italien und eroberte dort 1640 Turin. 1643 erhielt er das Kommando am Oberrhein. 1644/45 schlug er zusammen mit Louis II. de Bourbon in Südwestdeutschland mehrmals die Kaiserlichen und die Bayern. Frankreich gewann dadurch eine militärisch und politisch vorteilhafte Ausgangsbasis für die folgenden Friedensverhandlungen. Während der Fronde, dem gegen den Absolutismus gerichteten Aufstand des Adels, stand Turenne zunächst auf der Seite der Frondeurs. 1650 wurde er bei Rethel von den Königlichen besiegt und kehrte daraufhin in den Dienst des Königs zurück. 1652 schlug er die Aufständischen unter Louis II. de Bourbon und leitete damit den Zusammenbruch der Fronde ein. Im Krieg gegen Spanien siegte Turenne 1658 bei Dünkirchen über die Spanier und bereitete mit diesem Sieg den Pyrenäenfrieden vor. 1661 ernannte König Ludwig XIV. Turenne zum Generalmarschall. 1667/68 führte Turenne das Kommando gegen die Spanischen Niederlande und ab 1672 im Holländischen Krieg. 1673 besiegte er Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg und besetzte dessen Territorien am Niederrhein. 1674/75 errang er entscheidende Siege über die Kaiserlichen und drängte sie über den Rhein zurück. Turenne fiel am 27. Juli 1675 bei Sasbach in Baden. Er gilt als einer der herausragendsten Feldherren seiner Zeit. Jakob von SierckKurfürst und Erzbischof von Trier * zwischen August 1398 und März 1399 als Sohn des Arnold von Sierck aus dem Geschlecht der nach Burg Sierck an der Obermosel in Lothringen benannten ritterbürtigen Adelsfamilie, † 20. oder 28.5. 1456 in Pfalzel bei Trier. - J. war um 1414 als Domizellar (Anwärter auf ein Kanonikat) in das Trierer Domkapitel aufgenommen worden, hatte auch ein Metzer Kanonikat inne und studierte in Heidelberg, Florenz und Rom kanonisches Recht. Er wurde 1418 Domkapitular und 1423 Domscholaster in Trier. Bereits 1430 von der Mehrheit des Kapitels zum Erzbischof gewählt, verzichtete er gegen eine namhafte Entschädigung, als Papst Martin V. weder ihn noch den gegen ihn erhobenen Kölner Domdechanten Ulrich von Manderscheid im Amt bestätigte, sondern den Speyerer Bischof Rh????† ???A?¾aban von Helmstadt ernannte. Dieser erbat sich im Frühjahr 1439 vom Papst den inzwischen u. a. als Kanzler und Rat des Herzogs von Lothringen (bis 1438) und Dompropst in Würzburg sowie Utrecht zu hoher diplomatischer und kurialer Reputation gelangten J. als Nachfolger. Am 19.5. 1439 von Papst Eugen IV. bestätigt, erhielt er am 30.8. 1439 in der Kapelle der seiner Familie gehörenden Burg Mensberg die Bischofsweihe. Diplomatisch geschult und staatsmännisch begabt, nahm er regen Anteil an der Reichs- und allgemeinen Kirchenpolitik. J. betrieb als Reichskanzler (seit 1441) unter König Friedrich III. (1440-1493) zwischen diesem, dem Papst und dem französischen König Karl VII. als Wortführer der neutralen Gruppe im Schisma des Baseler Konzils eine nicht ungefährliche Politik, die ihn im Jahre 1445 dazu veranlaßte, den letzten Gegenpapst in der Geschichte der katholischen Kirchen, Felix V., anzuerkennen. Papst Eugen IV. (+ 23.2. 1447) antwortete mit der Absetzung des Trierers Erzbischofs, die in Trier und bei den anderen Kurfürsten allerdings ohne jede Auswirkung blieb. Unter Papst Nikolaus V. kam es bald zu einer Einigung: Am 9.9. 1447 setzte er J. wieder in sein Amt ein. Auf dem Reichstag zu Neustadt war er 1445 Führer der antikaiserlichen Reichsreformpartei, die sehr auf Reformmaßnahmen zur Stärkung des Reiches bedacht war. Vergeblich versuchte er, den Anfall Luxemburgs an Burgund (1441) zu verhindern und das Bistum Metz für sich zu gewinnen (1455 lediglich Koadjutor in temporalibus). J. hat als Kurfürst und Erzbischof seine großen Vorhaben alle nicht durchsetzen können,auch seine mit Energie begonnenen innerkirchlichen Reformversuche (u. a. Reformstatuten für Trierer und Koblenzer Kollegiatstifte. Unterstützung der Bursfelder Kongregation, Reform der Franziskanerklöster, Gründung einer Universität in Trier) bleiben hinter den Leistungen seiner Vorgänger zurück und haben zum Teil erst unter seinen Nachfolgern Früchte gezeitigt. Seine Jahre als Erzbischof waren geprägt von ungeheurer Aktivität, wobei er sich phasenweise auf den verschiedensten politischen Feldern gleichzeitig bewegte, wodurch diese Agilität bisweilen in Hektik und Aktionismus umschlugen; ein zuweilen blinder Nepotismus und eine fast als krankhaft zu bezeichnende Raffgier gehörten zu seinen auch von den Zeitgenossen getadelten Schattenseiten. Die Verdienste "einer der eindruckvollsten Gestalten unter den Kurfürsten des 15. Jahrhunderts" (Ignaz Miller) bleiben demnach umstritten. J. starb nach monatelanger Agonie; die Trierer Bistumschronik Gesta Treverorum deutet die lange und schmerzvolle Krankheit als Strafe Gottes. Der begabte Regent und Staatsmann wurde im Chor der Liebfrauenkirche in Trier beigesetzt; sein Grab wurde 1949 wieder aufgefunden. Die Grabplatte zum Sarkophag ist das erste datierte Werk (1462) keines Geringeren als Nikolaus Gerhardt von Leydens. Werner von FalkensteinErzbischof von Trier + 4. Oktober 1418 auf Schloß Deuerburg-Peterseck (Wellmich). W. war Großneffe seines Vorgängers auf dem Trierer Bischofsstuhl, Kuno von Falkenstein (1362-1388), amtierte als Trierer Archidiakon, Propst von St. Florin zu Koblenz und St. Paulin zu Trier. Nach der Resignation Kunos am 6.1. 1388 wurde er zum Koadjutor und am 3.4. des gleichen Jahres vom Papst zum Erzbischof providiert; die Bischofsweihe empfing er an einem nicht näher bekannten Tag um das Fest des Apostels und Evangelisten Matthäus (21. September) 1388. W. hat die Ansprüche der Falkensteiner auf das von Kuno angesammelte Finanzreservoire Triers erfolgreich abgewiesen und mit den Geldern die zahlreichen Fehden (u. a. mit den Herren von Schleiden, von Waldeck, von Ehrenberg, mit den Grafen von Hessen-Rheinfels und mit den Städten Oberwesel und St. Goar) finanziert, auf die er sich bedenkenlos einließ. Die Folgen waren eine weitestgehende Verwüstung des Landes - der Rheinische Antiquarius formuliert: »er hinterließ den Kurstaat in großer Unordnung und eine gänzlich erschöpfte Schatzkammer« -, der Staatsbankrott und folgerichtig eine starke Opposition im Trierer Domkapitel. Dieses wandte sich 1399 an Papst Bonifaz IX. mit der Bitte, dem (damals) erkrankten Erzbischof einen Koadjutor an die Seite zu stellen. Der Plan gelangte allerdings nicht zur Ausführung. An den Konzilien von Pisa und Konstanz hat Erzbischof Werner keinen entscheidenden Anteil gehabt, vielmehr die Last der Aufgaben seinem späteren Nachfolger als Erzbischof, dem Dompropst Otto von Ziegenhain, überlassen. Während des Angriffs auf die Stadt St. Goar ist W. verstorben. Der kriegerische Erzbischof fand seine letzte Ruhestätte im Chor der Kirche St. Kastor zu Koblenz. Insgesamt bleibt nach Ferdinand Pauly der Eindruck »eines recht dickfelligen Mannes, der den Aufgaben seines so wichtigen Amtes als Erzbischof und Kurfürst eines der bedeutendsten Territorien des Reiches nur in recht ungenügender Weise entsprochen hat, weil ihm der über die Trierer Grenzen hinausreichende Weitblick fehlte und er sich in kleinen Fehden verzettelte.«Liest man sich durch Legendenbücher, Heiligenviten und theologische Lexika, findet man zwar da und dort einiges über den heiligen Wendelin, aber trotzdem lassen sich das Leben und das Wesen der legendären iroschottischen Figur nur schwer greifen. In gewissen Punkten sind sich die Quellen einig, in anderen weniger. Grundsätzlich darf man wohl davon ausgehen, dass Wendelin - so, wie er in den Legenden überliefert wird - zum Erscheinungsbild des «heiligen Königs» passt, wie er in der Übergangszeit zwischen Römischem Reich und christlicher Kultur in Britannien des Öfteren vorkommt. Wie Régine Pernoud in ihrem Werk «Die Heiligen im Mittelalter - Frauen und Männer, die ein Jahrtausend prägten» (Gustav Lübbe Verlag, 1984) festhält, begegnet man den ersten dieser heiligen Könige in den kleinen sächsischen Königreichen Englands. Sie regierten, schreibt Pernoud, «unter dem Vorzeichen der Heiligkeit», und sie waren sich sicher, dass sie ihre Macht allein Gott verdankten und dementsprechend zu handeln hatten. Natürlich, Wendelin dürfte als Iroschotte Kelte gewesen sein, nicht ein Abkömmling der sächsischen Eindringlinge wie beispielsweise der heilige König Edmund. Der Topos des gottesfürchtigen Königs hat sich aber wohl auf den Legenden umrankten Königssohn Wendelin übertragen, auch wenn dieser, im Gegensatz zu Pernouds «heiligen Königen», als Abt letztlich auf die - zumindest weltliche - Macht verzichtet haben soll. Ludwig der BayerSeit 1314 dt. König, seit 1328 Kaiser; * wohl Ende 1281/ Anfang 1282, + 11.10. 1347, beigesetzt in München, Frauenkirche. - Nach dem Tod seines Vaters, Herzog Ludwigs II., dem Strengen von Oberbayern, nominell Herzog von Bayern, wurde L. zur Erziehung nach Wien geschickt. Seit 1301 unter Einfluß König Albrechts I. an der wittelsbachischen Herrschaft beteiligt, die L.s älterer Bruder Rudolf I. seit dem Tod des Vaters allein ausgeübt hatte, kam es seit 1308 zum Streit um die wittelsbachischen Güter, der im Januar 1314 mit dem Sieg L.s über das österreichische Heer in der Schlacht bei Gammelsdorf endete und die Fortdauer der wittelsbachischen Herrschaft in Niederbayern sicherte. - Nach dem Tod Ks. Heinrichs VII. am 24.8. 1313 erfolgte am 20./21.10. 1314 eine Doppelwahl zwischen Herzog Friedrich von Österreich und dem von der luxemburgischen Partei unterstützten L. dem Bayern. Am 28. September 1322 kam es bei Mühldorf am Inn zur Entscheidungsschlacht im jahrelangen Thronstreit, in der Friedrich der Schöne geschlagen wurde und in L.s Gefangenschaft geriet. Der Erfolg L.s blieb jedoch durch Hg. Leopold von Österreich, durch die luxemburgische Partei und durch die Auseinandersetzungen L.s mit dem Papsttum gefährdet. - Als Nachfolger Clemens V. (+ 1314) war seit August 1316 Johannes XXII. Papst. Dieser beanspruchte das Entscheidungsrecht im deutschen Thronstreit und das Reichsvikariat in Italien. Nach dem Sieg L.s über Friedrich den Schönen, strengte Johannes am 8.10. 1323 ein Verfahren wegen angeblich widerrechtlicher Führung des königlichen Titels und der Unterstützung von Häretikern gegen L. an. Verhandlungsangebote L.s wies der Papst zurück und verhängte am 23.3. 1324 wegen Mißachtung des päpstlichen Gerichts den Kirchenbann über L., der daraufhin versuchte, auf außerkirchlichem Wege (Sachsenhäuser Appellation) die Rechtgläubigkeit des Papstes in Zweifel zu ziehen und die Einberufung eines Generalkonzils zu erreichen. Nach dem Scheitern dieser Bemühungen erstrebte L. seit Beginn des Jahres 1325 intensiv die Aussöhnung mit den Habsburgern, die durch den »Münchener Vertrag« (Sept. 1325) und den »Ulmer Vertrag« (Anfang 1326) zustandekam, in denen L. Friedrich als Mitkönig anerkannte und sogar den Herrschaftsverzicht erklärte für den Fall der Zustimmung der Kurie zu den Habsburgern. Gleichwohl wurde dadurch deutlich, daß Johannes weder an einem habsburgischen noch an einem wittelsbachischen Königtum interessiert war, sondern eigene politische Pläne verfolgte. - Die Beruhigung der Situation in Deutschland ermöglichte es L., im Frühjahr 1327 nach Italien zu ziehen, wo er am Pfingstsonntag (31.5. 1327) in Mailand mit der eisernen Krone des Königreichs Italien gekrönt wurde. Am 7.1. 1328 zog er in Rom ein und erhielt am 17.1. 1328 aus der Hand des Sciarra Colonna, dem Beauftragten des populus Romanus, die Kaiserkrone - unter bewußter Mißachtung des päpstlichen Anspruchs auf die Kaiserkrönung. Am 18.4. 1328 ließ L. die Absetzung Johannes XXII. verkünden und am 12.5. (Himmelfahrt) den Franziskaner Petrus von Corbario von Klerus und Volk von Rom zum Papst wählen (Nikolaus V.). In der Folgezeit rückte der sog. »Theoretische Armutsstreit« in den Mittelpunkt der Auseinandersetzungen. Nach Marsilius v. Padua, fanden im Sept. 1328 auch Michael v. Cesena, der Generalminister des Franziskanerordens, Bonagratia v. Bergamo und Wilhelm v. Ockham, die über die Frage von Armut und Eigentum in Konflikt mit dem Papst geraten waren, Zuflucht an L.s Hof. - Die nach dem Tod Friedrichs des Schönen (13.1. 1330) erforderlich gewordene Rückkehr L.s machte ein weiteres Eingreifen in der Lombardei unmöglich. Der Ausgleich mit den Habsburgern stärkte L.s Position gegen König Johann v. Böhmen, so daß er im Herbst 1331 und 1332 versuchen konnte, eine Aussöhnung mit Johannes XXII. zu erreichen, die an der Weigerung des Papstes scheiterte. Auch ein Abdankungsplan L.s vom Herbst 1333 brachte keine Einigung zustande. Nach dem Tod Johannes XXII. (4.12.1334) schien sich unter Benedikt XII. eine Einigung anzubahnen. Die Verhandlungen standen im Mai 1336 kurz vor dem Abschluß, wurden dann jedoch auf französische Intervention unterbrochen und schlugen schließlich im April 1337 fehl, als Benedikt XII. auf Druck Philipps von Frankreich die Forderungen Johannes XXII. erneuerte, daß L. zunächst den 1324 verhängten Kirchenbann anerkennen und vor Erteilung der Absolution auf jegliche Herrschaft im römischen Reich verzichten müsse. Bemühungen der deutschen Bischöfe und der Reichsstände im Frühjahr 1338 zwischen L. und der Kurie zu vermitteln, blieben aufgrund der ablehnenden Haltung des Papstes ohne Erfolg. Infolgedessen erklärten Mitte Juli 1338 die Kurfürsten im sog. »Rhenser Weistum«, daß der von ihnen Erwählte der päpstlichen Approbation nicht bedürfe, da er bereits kraft der Wahl im ganzen Römischen Reich herrschaftsberechtigt sei. Auf zwei Reichstagen in Frankfurt und Koblenz im Sommer 1338 konnte L. seine Position festigen. Auch die folgenden Jahre brachten keinen Ausgleich mit der Kurie in Avignon. Nachfolger Benedikts XII. (+ 25.4. 1342) wurde im Mai 1342 Pierre Roger, der frühere Erzieher Markgraf Karls von Mähren, der als Clemens VI. Thronansprüche des Hauses Luxemburg förderte und 1343 die Kurfürsten zur Neuwahl aufforderte. Am 22. April 1346 erneuerte Karl der Kurie für den Fall seiner Wahl die Zusagen seines Großvaters Kaiser Heinrich VII. und verpflichtete sich, L. mit allen Mitteln auf eigene Kosten zu bekämpfen. Nach päpstlichen Eingriffen in die Zusammensetzung des Kurkollegs, wählten am 11.7. 1346 fünf Kurfürsten den Markgrafen von Mähren zum König. Im Frühjahr 1347 begann schließlich der Kampf zwischen L. dem Bayern und Karl IV., dessen Ausgang durchaus ungewiß war. Der Tod L.s am 11.10. 1347 auf der Bärenjagd in der Nähe des Klosters Fürstenfeld bei München beendete die Auseinandersetzung. - L. hatte stets die Sicherung und Erweiterung der wittelsbachischen Machtbasis angestrebt. Diesem Ziel diente seine zweite Ehe, die er 1324 mit Margarete, einer Tochter des Grafen Wilhelm III. von Hennegau schloß, nachdem er in erster Ehe mit Beatrix v. Glogau (um 1309) verheiratet war. Am 4.8. 1329 regelte er im sog. Hausvertrag von Pavia sein Verhältnis mit der Pfälzer Linie der Wittelsbacher. Seit dem Tod seines niederbayerischen Vetters Heinrich XIV. im Jahre 1341 besaß L. die bayerischen Lande nahezu vollständig, deren Rechtssicherheit er durch das Oberbayerische Landrecht von 1334/35 (1346) entscheidend förderte. Im Herbst und Winter 1341/42 gelang es L., durch eine eigenmächtige Eheannullierung Margarete Maultasch mit dem Markgrafen Ludwig v. Brandenburg, dem Sohn L.s, zu verheiraten und die Grafschaft Tirol dem wittelsbachischen Einflußbereich anzugliedern. Die Sicherung der Ansprüche seines Geschlechts auf das deutsche Königtum hat er nicht erreicht. - Von Zeitgenossen wurde L.s Mut und Entschlossenheit zum Handeln betont, zugleich aber auf seine Strenge und seine Unbeständigkeit verwiesen. Dieses überwiegend negative Urteil ist in der neueren Forschung einer ausgewogeneren Beurteilung gewichen, die vor allem betont, daß L. mit seiner Politik langfristige Ziele zu verfolgen suchte, es aber zeitlebens mit übermächtigen Gegnern zu tun hatte. Mit den Habsburgern hatte er frühzeitig die Aussöhnung gesucht, in dem Bemühen, den luxemburgischen Einfluß einzudämmen. Gegenüber der Kurie war er bemüht, die Anerkennung seines Herrschertums zu erlangen. Unbestritten ist, daß sich L. durch die Schutzgewährung für Marsilius v. Padua und die Flüchtlinge des Franziskanerordens ein bleibendes Verdienst erwarb. Der Beiname `der Bayer' aus der Auseinandersetzung mit Johannes XXII. ist ihm gleichwohl geblieben. Innenpolitisch zeichnete sich L.s Politik durch aktive Landfriedens- und Städtepolitik aus sowie durch Anerkennung der Klöster als herrschaftliche Faktoren in Bayern (Gründung von Ettal, Förderung von Fürstenfeld), zudem versuchte er das Behörden- und Gerichtswesen zu reformieren. Sankt WendelinSankt Wendelin
Liest man sich durch Legendenbücher, Heiligenviten und theologische Lexika, findet man zwar da und dort einiges über den heiligen Wendelin, aber trotzdem lassen sich das Leben und das Wesen der legendären iroschottischen Figur nur schwer greifen. In gewissen Punkten sind sich die Quellen einig, in anderen weniger. Grundsätzlich darf man wohl davon ausgehen, dass Wendelin - so, wie er in den Legenden überliefert wird - zum Erscheinungsbild des «heiligen Königs» passt, wie er in der Übergangszeit zwischen Römischem Reich und christlicher Kultur in Britannien des Öfteren vorkommt. Wie Régine Pernoud in ihrem Werk «Die Heiligen im Mittelalter - Frauen und Männer, die ein Jahrtausend prägten» (Gustav Lübbe Verlag, 1984) festhält, begegnet man den ersten dieser heiligen Könige in den kleinen sächsischen Königreichen Englands. Sie regierten, schreibt Pernoud, «unter dem Vorzeichen der Heiligkeit», und sie waren sich sicher, dass sie ihre Macht allein Gott verdankten und dementsprechend zu handeln hatten. Natürlich, Wendelin dürfte als Iroschotte Kelte gewesen sein, nicht ein Abkömmling der sächsischen Eindringlinge wie beispielsweise der heilige König Edmund. Der Topos des gottesfürchtigen Königs hat sich aber wohl auf den Legenden umrankten Königssohn Wendelin übertragen, auch wenn dieser, im Gegensatz zu Pernouds «heiligen Königen», als Abt letztlich auf die - zumindest weltliche - Macht verzichtet haben soll. Aber alles der Reihe nach. Die traditionelle Legende, hier am Beispiel von «Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten» (Reclam Verlag, 1979), erzählt folgendes über Wendelin: «Der iroschottische Königssohn verzichtet auf den Thron, um Gott in Einsamkeit dienen zu können. Im Anschluss an eine Wallfahrt nach Rom beginnt er in der waldigen Wildnis von St. Wendel bei Trier ein Einsiedlerleben, übernimmt Hirtendienste bei einem Edelmann und treibt das Vieh bis zu einem sieben Meilen entfernten Berg, wo er gerne betet. Der als räuberisch geschilderte Herr der Herde kommt unversehens vorbei und ist höchst erzürnt, dass Wendelin, so weit entfernt, nun das zum Mahl bestimmte Tier nicht rechtzeitig werde bringen können. Doch als der Erboste in seinen Hof kommt, ist Wendelin bereits dort. Tief erschrocken, bittet der Herr Wendelin um Vergebung, baut ihm eine Zelle in der Nähe des benachbarten Klosters, dessen Mönche Wendelin zum Nachfolger ihres verstorbenen Abtes wählen: Es ist Tholey, wo er 617 stirbt. Von vielen Kerzen umgeben, bestatten ihn die Mönche, finden aber am nächsten Morgen den Leichnam neben dem Grabe. Sie nehmen dies als Zeichen, dass er andernorts begraben sein wolle, und spannen Ochsen, die noch nie gezogen haben, vor einen Wagen; diese fahren ihn, von selbst den Weg findend, auf den Berg, auf dem er betend so oft geweilt hat. Eine grosse Wallfahrtsstätte entsteht über der Stelle, aus der sich die Stadt St. Wendel/Saar entwickelt.» Eine recht kritische Betrachtung über den heiligen Wendelin findet sich in der umfangreichen «Bibliotheca Sanctorum» (Cittaí Nuova Editrice, 1969). «Wir wissen nichts Genaues über sein Leben», wird dort gleich zu Beginn klargemacht. «Wendelin kam (...) ursprünglich aus Irland, und seine Familie war reich und von königlicher Abstammung. (...) Nach seinem Tod sollen auf seinem Grab gewisse Wunder stattgefunden haben, und 1417 soll in Saarbrücken - dank Gebeten an ihn - ein riesiger Brand gelöscht worden sein. (...) Seine iroschottische Herkunft kann nicht in Zweifel gezogen werden, aber die Quellen schweigen über sein königliches Geblüt - wahrscheinlich deshalb, weil dafür jegliche Grundlage fehlt. Nichts erlaubt ausserdem zu glauben, Wendelin sei Mönch in Tholey gewesen, wie eine irische Legende zu wissen glaubt, und sicherlich ist er auch nie Bischof gewesen. Es existiert zudem eine gewisse Verwirrung mit ähnlich heissenden Heiligen wie Wandelin, der ein Schüler des Heiligen Columban war, oder Walarich, Mönch und Pilger.» Im Gegensatz zur «Bibliotheca Sanctorum», die Wendelin nicht mit Wandelin verwechselt haben will, sagt das «Lexikon für Theologie und Kirche» (Verlag Herder, 1965), Wendelin werde oft auch als «Wandelin, Wendalin, Wendel, Vendel u. ä.» bezeichnet. Er habe zur Zeit des Trierer Bischofs Magnerich gelebt, also vor dem Jahr 570, und zwar «im Waldgebirge (Vosagus) als fränkischer Einsiedler oder Mönch (servus die militans)». Die bereits geschilderte Legende wird bestätigt; hinzugefügt wird die Tatsache, dass von den ungefähr 1500 heute noch bestehenden Wendelins-Patrozinien rund 500 Kapellen sind, 160 gar Wallfahrtsorte. Das zeigt einen anderen Aspekt des Heiligen auf: seine verschiedenen Patronatsfunktionen. Wendelin gilt als Patron der Hirten und Herden, der Bauern, der Landleute, als Nothelfer, als Schutzheiliger gegen Viehseuchen, ja sogar als Pestheiliger. Der Wendelinskult, darin ist sich die Literatur einig, findet seine erste Blütezeit zu Ende des 15. und zu Beginn des 16. Jh. in Gegenden wie den Vogesen, dem Saarland oder in Franken. Eine Wiederbelebung erlebt er im 18. Jh., als Auswanderer ihn in nordamerikanische und osteuropäische Siedlungsgebiete tragen. Allgemein gilt er als «sehr populärer Heiliger», wie zum Beispiel die «Bibliotheca Sanctorum» meint. Und an welchem Tag schliesslich wird er gefeiert? Hier sind die Angaben wieder sehr unterschiedlich: Genannt werden der 7. Februar, der 24. April, der 5. Juli, der 8. September, hauptsächlich aber der 20., 21. und 22. Oktober. Etwa an diesen Tagen, so wird gesagt, scheint auch in der Cazner Wendelinskapelle die Herbstsonne durch das Apsisfenster auf den Altar. Interessanterweise ist das Cazner Kirchlein heute das einzige in Graubünden, das als Hauptpatron den heiligen Wendelin aufweist. Seltsam, denn Wendelin ist gerade in ländlichen Gegenden seit jeher bekannt als Heiliger der Hirten und Bauern. Um 1500 soll er gar eine Art «Modeheiliger» dieser Berufsstände gewesen sein. Davon zeugen Bruderschaften, die an einigen Orten, so im luzernischen Greppen, bis heute überlebt haben. Eine solche Bruderschaft hat es offensichtlich auch in Cazis gegeben: Aus einer Gerichtsverhandlung aus dem Jahr 1471 ist eine Zeugenaussage überliefert, die berichtet, dass «fremde und herkommene Leute» im Domleschg eine «Bruderschaft zu St. Wendelin» gegründet hätten. Wer waren diese «fremden und herkommenen Leute»? Es gibt darüber eine Theorie, die recht wahrscheinlich tönt: Das mittelalterliche Kloster Cazis mit seinem ausgedehnten Grundbesitz beschäftigte zu jener Zeit viele Knechte und Mägde - und die kamen vermutlich zu einem nicht geringen Teil aus dem Unterland oder aus angrenzenden Ländern. Diese frühen «Saisonniers» könnten diejenigen gewesen sein, welche der Wendelinsverehrung Auftrieb verliehen und für den Unterhalt des Kapellchens sorgten. Falls es die «Bruderschaft zu St. Wendelin» tatsächlich gegeben hat, scheint sie nicht lange überlebt zu haben: Andere Hinweise auf ihre Existenz als die Zeugenaussage von 1471 sind nicht vorhanden |
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