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St. Wendel - ein geschichtlicher Überblick



St. Wendel - ein geschichtlicher Überblick

496-752

Herrschaft der Merowinger. Das hiesige Gebiet gehört zum Bliesgau (Blesitschowa).

6. Jh.:

Zur Zeit des Trierer Bischofs Magnerich (566 – 597) lebt Wendalin als Einsiedler oder Wandermissionar im Waldgebirge des Trierer Bistums.

12. Jh.:

Der patrozinische Siedlungsname "St. Wendel" verdrängt allmählich den ursprünglichen Ortsnamen "Basenvillare".

1180:

Erste urkundliche Erwähnung einer Kirche, die dem heiligen Wendalinus geweiht ist. Grundlage zur politischen und wirtschaftlichen Entwicklung des Wendelshofes.

1326 und 1328:

Der Trierer Kurfürst und Erzbischof Balduin von Luxemburg (1307 – 1354) erwirbt Burg und Dorf St. Wendel. Der Erwerb ist ein notwendiges Glied in der Kette der Bestrebungen, den lothringischen Einfluss vom Rhein abzudrängen.

1331:

Nach Erwerb weiterer Güter und Rechte entsteht das kurtrierische Unteramt St. Wendel. Jakomin von Monkler (Monteclair) wird erster Amtmann. Erneuerung der alten Burg. (Die Burg ist aus dem Stadtbild verschwunden.)

1332:

Verleihung der Stadtrechte durch Kaiser Ludwig der Bayer auf dem Reichstag zu Nürnberg. Auf der Grundlage der Stadtrechte ordnet die Stadt ihre Vertretung, die das aus einem Schultheißen, 7 Schöffen und einem Schreiber bestehende uralte Hochgericht übernimmt. Von nun an kann die Stadt ihre inneren Schicksale selber bestimmen, unbeschadet der Rechte des Erzbischofs. Aus dem Stadtrecht erwächst das Marktrecht, das, anknüpfend an die Wallfahrten und Kirchenfeste, bald bedeutende Jahr- und Wochenmärkte schafft.

1360:

Einweihung des Chores der Grab- und Wallfahrtskirche durch Erzbischof Boemund von Trier.

1388:

Kurfürst Werner von Falkenstein(1388 – 1418) gibt St. Wendel das echte Kennzeichen der Städte, den Mauerschutz. Um die Baukosten aufzubringen, wird eine Weinsteuer eingeführt, die auch nach Fertigstellung der Befestigungen fortbestehen bleibt. Die Umwehrung der Stadt, von der noch Reste bis in unsere Zeit erhalten blieben, bestand aus der Stadtmauer mit zwei großen Torbauten, acht Wehrtürmen und den Stadtgräben.

15. Jh.

Im 15. Jahrhundert erlebt St. Wendel eine erste Blütezeit. Die wohlhabende Stadt wird wirtschaftlich zum Mittelpunkt eines weiten Gebietes. Frühzeitig bildeten sich gewerbliche Innungen und Zünfte, unter denen sich das Handwerk zur schönsten Blüte entfaltete.

1440:

Kurfürst Jakob I. v. Sierck schenkt der Pfarrkirche den Platz "Kaff", vor der Kirche gelegen, zur Errichtung eines wirkungsvollen Rathauses. Der stolze Bau wurde im holländischen Krieg (1677) durch Brand zerstört.

1455

geben der Junker Johann von Oppenheim, genannt Hanenschild, und seine Ehefrau Tryne durch eine Stiftung ihr Haus und ihre Güter zu einem ewigen Spitale her, in dem elende Leute beherbergt und gepflegt werden sollen. Damit war der Grundstein zum Hospital gelegt.

1591:

Große Feuersbrunst. Ein bedeutender Teil der Stadt sinkt in Schutt und Asche.

1618 – 1648:

Dreißigjähriger Krieg. Ungeheure Einquartierungen, Brand- schatzungen und Kontributionen bringen die Stadt an den Rand des Verderbens. Zunehmende Verwilderung der Sitten. Um den Ausschreitungen rauer Kriegsvölker zu entgehen, nimmt die Bevölkerung benachbarter Ortschaften mehrmals Zuflucht in den schützenden Mauern der Stadt. Die Blüte der Stadt wird vernichtet. Der Wohlstand der Bürger erliegt den fortgesetzten Drangsalen.

1635:

Das schlimmste Jahr im Dreißigjährigen Krieg. Kaiserliche Truppen, Spanier, Kroaten, Ungarn, Polen, Schweden, Franzosen, Lothringer abwechselnd im Land. Dörfer sinken in Schutt und Asche. Brandschatzung und Plünderung, Raub und Mord, Pest und Hungersnot.

1639:

Belagerung der Stadt durch Truppen des französischen Generals Malegotti. Nach dem Krieg ziehen noch zuchtlose Soldatenhaufen durch das Land. 1653, 1664 und 1668 suchen die Bewohner der Umgegend mit ihrem Vieh Schutz in der Stadt.

1674:

Der französisch-holländische Krieg, der 1672 ausbrach, schlägt der Stadt schwere neue Wunden. Auf Befehl des französischen Marschalls Henri Vicomte de Turenne wird die Stadtbefestigung geschleift.

1677:

In der Lichtmessnacht des genannten Jahres lässt Comte de Bussy Schloss, Rathaus und Bürgerhäuser der Stadt niederbrennen. Die ganze Gegend wird verwüstet.

1680:

Reunionsunternehmungen Frankreichs. Die Metzer Reunions- kammer erklärt das Amt St. Wendel als früheres Verdunsches Lehen zu Frankreich gehörig. Baron Philipp Franz von Sötern zu Dagstuhl, im Besitze der hiesigen Domänen, erklärt sich als Lehensmann Frankreichs. Der Bischof von Metz verleibt die Pfarrei St. Wendel in seinen Sprengel ein, Bis zum Frieden von Ryswick (1697) bleibt St. Wendel unter französischer Verwaltung.

1742:

Bau des Amtshauses am Schlossplatz durch Amtmann Franz Ernst D’hame (heute Stadtverwaltung).

1755:

Bau der Wendelskapelle mit Klause an Stelle einer früheren Kapelle durch Amtmann Franz Ernst D’hame.

1774:

Der Friedhof wird vom Kirchplatz vor die obere Stadtpforte verlegt.

1798:

St. Wendel wird Kantonshauptort und gehört zum Arron- dissement Saarbrücken, Saardepartement. Aufhebung der Zünfte. Abschaffung des Zehnten. Einführung der repu- blikanischen Zeitrechnung. Der Kanton St. Wendel besteht aus fünf Mairien. Die Mairie St. Wendel umfasst die Stadtgemeinde, die Gemeinde Alsfassen-Breiten, Ober- linxweiler und Urweiler.

1805:

Vollendung des Rathausneubaues am Fruchtmarkt nach Plänen des pfalz-zweibrückischen Baumeisters Friedrich Gerhard Wahl. Am 5. Februar verheerendes Hochwasser infolge der Schneeschmelze. Die Unterstadt wird überschwemmt. Magdalenenkapelle wird zum Schulhaus umgebaut. Einführung des französischen Sprachunterrichts in den Schulen und im amtlichen Verkehr.

1806:

Abbruch der unteren Stadtpforte.

1815:

Wiener Kongress St. Wendel wird Hauptstadt eines Gebietes von 8,25 Quadratmeilen mit 25000 Seelen, das dem Herzog von Sachsen-Coburg-Saalfeld zufällt.

8.8.1817

Einrichtung einer Thurn- u. Taxis’schen Postexpedition an der Strecke Saarbrücken – Birkenfeld – Kreuznach – Mainz.

1818:

Neubau des Hospitals

1819:

Durch herzogliches Dekret wird dem coburgischen Lande der Name Fürstentum Lichtenberg zuerteilt.

1824:

Eröffnung eines "Herzoglichen Lyceums", verbunden mit Schullehrerseminar und einem Konvikt für arme Seminaristen.

1825:

Gründung einer protestantisch-evangelischen Gemeinde in St. Wendel.

1834:

Die Coburger Herrschaft findet ihr Ende durch die 1832 vorangegangene revolutionäre Bewegung. Herzog Ernst tritt mittels Staatsvertrag das Fürstentum Lichtenberg gegen eine Jahresrente von 80000 Talern an Preußen ab. Bildung des Kreises St. Wendel und dessen Überleitung in den Regierungsbezirk Trier.

1836:

Gründung des Vereins zur Erforschung und Sammlung von Altertümem in den Kreisen Ottweiler und St. Wendel durch Rektor Schue.

1841:

Bau der evangelischen Kirche mit geldlicher Unterstützung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV.

1842:

Anlegung des Schlossplatzes in dem damals bruchigen Gelände.

1852 – 1855:

Starke Auswanderungsbewegung, deren Ziel vornehmlich Nord-Amerika ist. In den Staaten der USA tragen 17 von solchen Auswanderern gegründete Orte den Namen St. Wendel oder Wendell.

1856:

Beginn des Baues der Rhein-Nahe-Bahn.

1860:

Eröffnung der Rhein-Nahe-Bahn durch Prinzregent Wilhelm von Preußen. Bau der Eisenbahnwerkstätte am Tholeyer Berg. Diese beiden Ereignisse. die die Darnpfkraft bei uns einführten, gaben dem Wirtschaftsleben der Stadt die starke Note. Aufschwung der städtischen Verhältnisse.

1877:

Neubau des Progymnasiums

1879:

Herausgabe des "St. Wendeler Volksblattes", zunächst wöchentlich dreimal.

1905:

Eröffnung der gewerblichen Fortbildungsschule. Bestrebungen um den Bau einer Eisenbahnstrecke Kusel – St. Wendel – Lebach.

1909:

Neubau der Städtischen Volksschule (Cecilienschule), heute Nikolaus-Obertreis-Schule.

1911:

Bau der Missionshauskirche. Bau des Marienkranken- hauses. Eröffnung eines Lehrerseminars und einer Präparandenanstalt.

1912:

Neubau der Eisenbahnwerkstätte am Berzberg.

1913:

Beginn des Bahnbaues St. Wendel – Tholey.

1920:

Friedensvertrag von Versailles. St. Wendel wird durch das Friedensdiktat auf 15 Jahre in das durch eine Regierungs- kommission verwaltete Saargebiet einbezogen.

1928:

Vollendung des Neubaues des Gymnasiums an der Werschweilerstraße.

1929/31:

Errichtung der kath. Pfarrei St. Anna. Bau der ersten St.-Anna-Kirche durch Architekt Hans Herkomer.

1932:

600-Jahrfeier der Stadt St. Wendel

1935:

Volksabstimmung. Wiedervereinigung des Saargebietes mit dem Reich.

1938:

St. Wendel wird Garnisonstadt. Am 8. November wird die jüdische Synagoge durch Brand zerstört.

1939 – 1945:

Zweiter Weltkrieg. Menschenverluste und erhebliche Gebäudeschäden durch Kriegseinwirkung. Die schwersten Bombenangriffe am 6.12, 24.12, 27.12.1944 und am 28.2.1945. Zerstörung der St.-Anna-Kirche durch Bombenangriffe am 24. und 27.12.1944.

1957:

Einweihung der neuen Kreishandelsschule in der Julius-Bettingen-Straße, am 25. Mai.

1957:

Amtsbürgermeister Franz Gräff aus Pfalzfeld wird zum Bürgermeister der Kreisstadt St. Wendel gewählt.

1957:

Gründung der St. Wendeler Volkshochschule.

1960:

600 Jahre Wendelsdom. Vom 6.6. – 12.6. Jubiläums- und Wallfahrtswoche.

1960:

Papst Johannes XXIII. erhebt die Grab- und Wallfahrtskirche in den liturgischen Rang einer Basilika minor.

1960:

Am 7. Oktober Einweihung des neuen Altersheimes und der neuen Volksschule des Hospitals.

1. 4. 1961:

Übernahme des Bundesausbesserungswerkes durch die Bundeswehr und Einrichtung einer Bundeswehrinstand- setzungswerkstätte durch das Bundeswehrinstandsetzungs- bataillon 962.

1962:

Am 25. September Einweihung der Kfm. Berufsschule und des Erweiterungsbaues der Nikolaus-Obertreis-Schule mit Turnhalle und Lehrschwimmbecken.

1964:

Einweihung des völkerkundlichen Museums beim Missions- haus St. Wendel am 15. Oktober.

1966:

Am 19. Januar Einweihung des Neubaues des Staatl. Mädchenrealgymnasiums in der Missionshausstraße.

1966:

Franz Gräff als Bürgermeister der Kreisstadt St. Wendel für 10 Jahre wiedergewählt.

1967:

Am 19. Juli Einweihung des Neubaues der Kreisrealschule an der Willi-Graf-Straße.

1967:

Am 10. Dezember Einweihung der Heilig-Geist-Kirche auf dem Tholeyer Berg.

1968:

Am 2. Juli Einweihung der neuen Hospitalkirche und des Schwestern- und Angestelltenwohnheimes.

1968:

Einweihung der Kreisschwimmhalle an der Willi-Graf-Straße am 6. Oktober.

1968:

21. Mai Elektrifizierung der Bundesbahnstrecke St. Wendel – Saarbrücken.

1970:

Einweihung des neuerbauten Bahnhofsgebäudes. Inbetrieb- nahme des Fußgängertunnels unter der Mommstr. und der aufgeweiteten Straßenunterführung am Tholeyerberg.

1972:

Beginn der Städtepartnerschaft zwischen St. Wendel und Rezé-lès-Nantes (Loire Atlantique).

1975:

Einweihung des Technisch-Gewerblichen Berufsbildungs- zentrums an der Werschweilerstraße. Eröffnung der Bosen- berg Klinik (220 Betten).

1977:

Restaurierung und Renovierung der Wendelskapelle.

1981:

Wiedereröffnung der Wendalinusbasilika nach einjähriger Renovierung und Restaurierung. Gruppenbesuch von Ange- hörigen der ehemaligen jüdischen Gemeinde St. Wendel. Anbringung einer Gedenktafel am Haus Vollmann in der Kelsweilerstraße, wo sich bis 1938 die Synagoge befand.

1982:

Jubiläum "650 Jahre Stadt St. Wendel".

1999:

Abzug der letzten französischen Einheiten und folgende Konversion des Kasernengeländes.

"Als die Saar ein eigenes Land war"



Ein historischer Bilderbogen vom Zweiten Weltkrieg bis zur Zweiten Volksabstimmung:
Vor 50 Jahren endete im Saarland eine Zeit, die bei vielen Menschen fast in Vergessenheit geraten ist. Dabei war es ein überaus denkwürdiges Jahrzehnt, das seinen abrupten Abschluss mit der zweiten saarländischen Volksabstimmung am 23. Oktober 1955 gefunden hat. Es war das Jahrzehnt eines politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Neubeginns nach der nationalsozialistischen Katastrophe; eine Zeit, in der die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs physisch und psychisch überwunden werden mussten und in der man an der Saar ebenso wie in Westdeutschland den Weg ins Wirtschaftswunder ging. Anders als in Adenauers Bundesrepublik war es an der deutsch-französischen Grenze auch die Zeit der großen Experimente.
Das größte und gewagteste Experiment war der Staat selbst. Entstanden als ein Produkt wechselvoller Beziehungen zwischen zwei ehemaligen "Erbfeinden" entwickelte sich das Saarland nach dem Krieg zu einem teilautonomen Staat, der unter einem starken französischen Einfluss gestanden hat. Mit Paris verband die Saar nicht nur der gleiche Wirtschafts- und Währungsraum. Kulturelle Impulse oder die politische "Supervision" der Saarbrücker Regierung durch einen französischen "Hohen Kommissar" ließen das Land von Ministerpräsident Johannes Hoffmann - zumindest für seine Kritiker - als unerwünschten Ableger der "Grande Nation" erscheinen. Die Bezeichnung "Saarfranzosen" wurde zu einem allseits bekannten Begriff, den noch heute viele missverstehen. In der Volksabstimmung vom 23. Oktober 1955 sprachen sich die Saarländer mit großer Mehrheit gegen das bereits ratifizierte Saarstatut aus. Das zehnjährige saarländische Staatsexperiment war beendet.
Es gibt daher viele gute Gründe, auf die Geschichte des "Saarstaates" zurückzublicken. Nicht nur die Entwicklung der späten 40er-Jahre, sondern auch die Umwälzungen der "goldenen Fünfziger" sind von großem Interesse.
Aus diesem Anlass lädt das Stadtarchiv St. Wendel zu einer Buchvorstellung ein. Dr. Paul Burgard und Dr. Ludwig Linsmayer (Direktor des Landesarchiv) werden am 11. Oktober um 19.00 Uhr in den Räumen der Stadt- und Kreisbibliothek St. Wendel im Mia-Münster-Haus in einem Vortrag eine Vielfalt von Informationen und Bilddokumenten präsentieren und einen Überblick über 10 Jahre "Saarstaat" vermitteln.


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