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Veranstaltungen



Das Fürstentum Lichtenberg im Vormärz - ein Provisorium



Vortrag und Buchvorstellung von Dr. Josef Dreesen

Am 22. September 1834 nahm das Königreich Preußen das sachsen-coburgische Fürstentum Lichtenberg in Besitz. 18 Jahre zuvor hatte Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Saalfeld (ab 1826: Sachsen-Coburg und Gotha) dieses Gebiet auf dem Wiener Kongress als Entschädigung für seine Verdienste in den Befreiungskriegen erhalten. Obwohl im März 1819 zum Fürstentum erhoben, behandelte der Landesherr das Territorium als seinen persönlichen Besitz. Dies hatte nicht nur negative Auswirkungen auf die innen- und wirtschaftspolitische Entwicklung des Landes, sondern beeinträchtigte auch das Verhältnis der Untertanen zu ihrer Obrigkeit nachhaltig.

Josef Dreesen, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Stadtarchivs St. Wendel, der auch die erfolgreiche Herzogin-Luise-Ausstellung im Jahre 2006 betreute, beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Geschichte des Fürstentums Lichtenberg. In seiner kürzlich abgeschlossenen Dissertation setzt er sich kritisch mit dessen Entwicklung und Bedeutung innerhalb des Stammherzogtums Sachsen-Coburg und Gotha auseinander.

Bürgermeister Klaus Bouillon beglückwünschte den Autor und ist erfreut, dass eine für die Geschichte der Stadt St. Wendel bedeutende Periode wissenschaftlich fundiert dokumentiert wurde. Zudem handele es sich um die erste historische Dissertation, die sich mit der sachsen-coburgischen Zeit auseinandersetzt.

Die "Coburger Zeit" wird in der St. Wendeler Lokalhistoriographie meist verklärt. Dagegen zeichnen die zeitgenössischen Quellen ein anderes Bild. So kann u.a. von einem gütlichen Einvernehmen der St. Wendeler mit der herzoglichen Regierung nicht die Rede sein. Herzog Ernst behandelte das Land von Beginn an nur als ein Tauschobjekt, missachtete den Landrat, die gewählte Vertretung der Bürger, schöpfte einen beträchtlichen Teil des jährlichen Steueraufkommens zu privaten Zwecken ab und entzog damit Wirtschaft und Infrastruktur die notwendigen Mittel. Die finanzielle Ausplünderung des Landes und die hieraus resultierenden Missstände führten schließlich zu einer Politisierung großer Teile der Bevölkerung, deren Unmut sich im Sommer 1832 in einem Aufstand entlud.

Gestützt auf zahlreiche, teilweise bislang unausgewertete und unbekannte Quellen aus unterschiedlichen Archiven, vor allem aus dem Staatsarchiv Coburg, zeichnet der Autor ein präzises Bild der kurzen Geschichte des Fürstentums, das bisher gängige Meinungen nicht nur relativiert, sondern auch revidiert.

Josef Dreesen, geboren in Seinsfeld in der Eifel, studierte Geschichte und Kunstgeschichte an der Universität Trier und promovierte 2005. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, NS-Zeit und spätes Mittelalter.

Das Stadtarchiv lädt zur Vorstellung der Dissertation am Montag, 22. September, 19.30 Uhr in den Räumen der Stadt- und Kreisbibliothek im Mia-Münster-Haus ein. Der Eintritt ist frei. Im Anschluss an den Vortrag kann das Buch zum Vorzugspreis von 19,00 € erworben werden.

„Die Geburt des Saarlandes“ – Zur Dramaturgie eines Sonderwegs



Vortrag von Dr. Ludwig Linsmayer und Dr. Paul Burgard am 6. Juni um 19.30 im Mia-Münster-Haus

Unter ganz anderen Vorzeichen als 1935 waren die Saarländer am 23. Oktober 1955 zum zweiten Mal aufgerufen, in Wahrnehmung des nationalen Selbstbestimmungsrechtes über ihre staatliche und politische Zukunft zu entscheiden. Nach einem denkwürdig konfliktgeladenen Abstimmungskampf votierte man an der Saar mit einer Zweidrittel-Mehrheit gegen das von Frankreich und Deutschland ausgehandelte Saarstatut, das eine Europäisierung des Landes vorgesehen hatte. Anders als nach 1935 führte diese saarländische Entscheidung aber nicht zu einem neuen Konflikt zwischen den ehemaligen "Erbfeinden". Ganz im Gegenteil bewies die rasche Lösung des Saarproblems nach dem "Nein" vom 23. Oktober 1955, wie sehr der neue Geist eines fried- und vertrauensvollen Umgangs zwischen den Völkern ein Jahrzehnt nach der Katastrophe des II: Weltkriegs Fuß gefasst hatte. Dem Saarland ermöglichten die Beschlüsse der "Luxemburger Verträge" den Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland, deren elftes Bundesland es am 1.1.1957 wurde. Anderthalb Jahre später endete mit dem "Tag X", dem 6. Juli 1959, auch die Episode der Wirtschafts- und Währungsunion mit Frankreich.

Das Buch "Die Geburt des Saarlandes. Zur Dramaturgie eines Sonderwegs", das als 3. Band der Schriftenreihe ECHOLOT erschienen ist, befasst sich in acht Aufsätzen, sechs Dokumentationen und fünf Interviews mit der Gründungs- und Entwicklungsgeschichte des modernen Saarlands. Dabei wird nicht nur jene historisch ungewöhnliche Entwicklung rekapituliert, in der aus einem ehemaligen preußischen Industrierevier ein eigenständiges Bundesland werden konnte. Auch die dramatische Geschichte der Abstimmung wird unter neuen Akzenten thematisiert und die Entstehung eines saarländischen Sonderbewusstseins erörtert, das den Weg vom antifranzösischen Ressentiment zum kulturellen Selbstbild des "savoir vivre" nahm. Das mit zahlreichen Fotografien und Abbildungen ausgestattete Buch widmet sich im letzten Teil den abwechslungsreichen Etappen der neueren saarländischen Geschichte, die im Zeichen von wirtschaftlichen Wandlungs- und kulturellen Erneuerungsprozessen standen.

Das Stadtarchiv St. Wendel lädt alle Interessierten zu diesem Vortrag am Mittwoch, den 6. Juni um 19.30 Uhr ins Mia-Münster-Haus in St. Wendel ein. Dr. Paul Burgard und Dr. Ludwig Linsmayer (Direktor des Landesarchivs), die Referenten des Abends, geben verschiedene Einblicke in "Die Geburt des Saarlandes". Während sich Herausgeber Linsmayer vor allem mit den Etappen des saarländischen Sonderweges beschäftigt und an einigen Beispielen die Machart des Buches verdeutlicht, führt Burgard in seinem Beitrag zurück in jene emotionsgeladenen Tage und Wochen, in denen sich "Ja"- und "Nein-Sager" im Saarland bisweilen unversöhnlich gegenüber standen. Mit der Präsentation von historischen Aufnahmen und von Seiten aus den Dokumentationsteilen des Buches erhalten die Besucher außerdem einen lebendigen Eindruck von der Vielfalt und dem Abwechslungsreichtum des saarländischen Weges in die Gegenwart.

„175 Jahre Hambacher Fest“



Vortrag von Roland Paul am Montag, 21. Mai um 19.30 Uhr im Mia-Münster-Haus. Am 27. Mai diesen Jahres wird der 175. Jahrestag des Hambacher Festes gefeiert, der ersten großen Kundgebung für Freiheit, Demokratie und nationale Einheit in der deut-schen Geschichte. Gerade in St. Wendel stießen diese Forderungen von Hambach auf fruchtbaren Boden, hatte sich hier doch bereits 1831 eine starke Opposition gegen die Regierung von Sach-sen-Coburg-Gotha gebildet. Gleichzeitig zur Kundgebung in Hambach versammelten sich die St. Wendeler Bürger zu einem Freiheitsfest auf dem Bosenberg und errichteten einen Freiheitsbaum. Zweimal mussten preußische Truppen in der Stadt einrücken, um diese Revolte zu unterdrücken. Letztendlich führten diese Ereignisse zum Verkauf des Fürstentums Lichtenberg an Preu-ßen (1834). In seinem Vortrag beleuchtet Roland Paul, stellvertretender Leiter des Instituts für pfälzi-sche Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern, diese Ereignisse sowie die Vorge-schichte, den Verlauf und die Folgen des Hambacher Festes. Dabei wird er sich auch mit den Biographien der führenden „Hambacher“ beschäftigen, dem früheren Homburger Landrat Philipp Jakob Siebenpfeiffer, dem Journalisten August Georg Jakob Wirth und dem Advokaten Nikolaus Hallauer, der neben dem Pfarrer Karl Wilhelm Juch und dem Rektor Johannes Schue der politische Kopf der St. Wendeler Freiheitsbestrebungen war. Zu diesem Vortrag laden wir Sie, Ihre Freunde und Bekannten hiermit herzlich ein.


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