Dr. Josef Dreesen - Die demokratische Opposition in St. Wendel im Vormärz

Dr. Josef Dreesen - Die demokratische Opposition in St. Wendel im Vormärz


Im Jahre 1818/19 brachen in der Sachsen-Coburger Exklave, dem „überrheinischen Fürstentum St. Wendel“, massive Konflikte zwischen der Bevölkerung und der herzoglichen Regierung aus. Ursachen gab es viele: Man kritisierte die miserablen sozialen und wirtschaftliche Verhältnisse im Fürstentum,  beklagte die häufigen widerrechtlichen Eingriffe der Regierung in die Unabhängigkeit der Gerichte und in kommunale Angelegenheiten und forderte ein politisches Mitspracherecht ein.

Zwar gelang es der Sachsen-Coburger Regierung „die äußere Ruhe im Fürstentum“ wieder herzustellen, aber in der Stadt St. Wendel hatte sich eine Opposition aus Bürgern, Stadträten und Notabeln  etabliert, die zusehends Einfluss auf die öffentliche Meinung nahm.

Dieser Opposition folgte bald eine zweite: Zu Beginn des Jahres 1831 gründeten Lehrer des Lyzeums, Johannes Schue, Carl Juch und Philipp Sauer im Kellerschen Gasthaus einen vielbesuchten politischen Stammtisch, die sogenannte Kellersche Gesellschaft. Anfänglich oblag den Lehrern die Leitung dieser national-liberalen orientierten Opposition. Wenig später wurde der Advokat Nikolaus Hallauer deren politischer Kopf und Wortführer. Unter seiner Leitung und die Sauers wurden u.a. die Inhalte des „Westboten“ und „Der Deutschen Tribüne“ lebhaft diskutiert.

Ende des Jahres 1831/Anfang 1832 übernahm diese Kellersche Gesellschaft zusehends die Rolle der städtischen Opposition. Ihr Führungsanspruch führte zu Konflikten -  nicht nur, weil deren Mitglieder die Führungspositionen, der ab Ende Mai 1832 einberufenen Bürgerausschüsse bekleideten: So kam es in der Bürgerversammlung am 1. Juni 1832 im St. Wendeler Schulhaus zu einem offenen Schlagabtausch zwischen Nikolaus Hallauer und  Carl Cetto, Vertreter der städtischen Opposition.

Die repressiven Maßnahmen des Deutschen Bundes vom 28. Juni und 5. Juli 1832, die unter anderem die Zensur verschärften, politische Vereine, Versammlungen  verboten, das rigorose Vorgehen der herzogliche Sachsen-Coburger Regierung, die wiederholt preußische Truppen anforderte, leiteten das Ende der demokratischen Opposition in St. Wendel ein.